Architektur
Das Hamburger Architektenbüro von Gerkan, Marg und Partner und die Frankfurter Architekten und Stadtplaner von Albert Speer und Partner gehören zu den Stars in China und in der Arabischen Welt. Das junge Team von Graft aus Berlin hat sich in den USA einen Namen gemacht. Die Arbeit der gut ausgebildeten deutschen Architekten ist im Ausland gefragt. 121000 Mitglieder zählt die Bundesarchitektenkammer. Die Mehrheit, knapp 87 Prozent, ist im Hochbau tätig. Viele haben sich spezialisiert – vor allem auf nachhaltiges Bauen. Das Potenzial in diesem Feld ist groß. Denn 40 Prozent des Energieverbrauchs werden durch Wohn- und Industriegebäude verursacht. Ein Pionier des nachhaltigen Bauens ist der Stuttgarter Architekt Stefan Behnisch. Seine Konzepte sind auch in den USA gefragt, wo ihm mit dem Genzyme Center in Cambridge 2003 der Durchbruch gelang.
Bildende Kunst
Der Boom hat einen Namen: YGA. Die drei Buchstaben stehen für Young German Artists. Unter diesem Label ist vor allem die junge deutsche Malerei und Fotografie weltweit erfolgreich. Der Leipziger Maler Neo Rauch ist der prominenteste Vertreter. Seine großformatigen Werke zeigen surreal erstarrte Alltagsszenen in meist fahlen, kalkigen Farben. Fotografie als eigenständige Kunstform etablierte sich in Deutschland spätestens mit dem Erfolg dreier Schüler des Fotografenehepaars Bernd und Hilla Becher von der Düsseldorfer Kunstakademie. Thomas Struth, Andreas Gursky und Thomas Ruff sind heute international gefragt. Unter den Top Ten der weltweit berühmtesten Künstler finden sich Gerhard Richter, Sigmar Polke, Georg Baselitz und Rosemarie Trockel. Der Kunstmarkt in Deutschland beschäftigt über 100000 Menschen – in Ateliers, Galerien, Museen und auf Messen.
Buchverlage
Deutschland ist ein Land der Bücher: Mit rund 95000 neuen und neu aufgelegten Büchern und mehr als 2000 Verlagen gehört es weltweit zu den führenden Buchnationen. Im Jahr 2007 erwirtschaftet der deutsche Buchmarkt einen Umsatz von ungefähr 9,6 Milliarden Euro – und erzielte damit rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Kulturwirtschaft.
Auch als kreativer Export ist deutsche Literatur gefragt: Ins Ausland wurden im Jahr 2007 mehr als 9000 Lizenzen – und damit mehr als doppelt so viele wie 1995 – vergeben. Jedes Jahr treffen sich außerdem Verleger, Autoren, Buchhändler und Buchagenten aus der ganzen Welt zur größten Branchenschau, der Internationalen Frankfurter Buchmesse im Herbst. Auch die Leipziger Buchmesse im Frühjahr ist inzwischen fest etabliert.
Computerspiele
Beim Namen „Crysis“ bekommt jeder Computerspiele-Fan leuchtende Augen. So eine detaillierte Landschaftsgrafik, bei der sich jeder Grashalm einzeln bewegt, gibt es nirgends sonst zu sehen. Programmiert hat das digitale Kunstwerk die Frankfurter Spieleschmiede Crytek. Ihre Arbeit gilt als weltweiter Maßstab. Dank Spielen wie „Crysis“, der „Siedler“- und „Anno“-Serien, die ebenfalls aus Deutschland kommen, wächst der Spielemarkt rasant. 30 Prozent aller Deutschen spielen am Computer, 1,4 Milliarden Euro gaben sie dafür 2007 aus. Mehr Geld, als für Kinokarten oder DVDs. Kein Wunder, dass auch die Ausbildung immer professioneller wird. Bei der Games Academy in Berlin, die im Jahr 2000 gegründet wurde, gehen weit mehr Bewerbungen ein, als Ausbildungsplätze vorhanden sind.
Darstellende Kunst
Rund 35 Millionen Zuschauer besuchen Jahr für Jahr fast 110000 Theateraufführungen in Deutschland – nicht gerechnet Oper und Ballett. Das entspricht rechnerisch fast der Hälfte der Bevölkerung und belegt die ungebrochene Vitalität des deutschen Theaters. In jeder Spielzeit kommen rund 2500 Werke in 5800 Inszenierungen zur Aufführung. Zunehmend werden dabei die Grenzen zwischen Schauspiel, Tanz und Musiktheater durchbrochen und neue Spielformen entwickelt. Das Deutsche Theater Berlin war 2008 „Theater des Jahres“. Das „Stück des Jahres“ hat Dea Loher mit „Das letzte Feuer“ geschrieben – uraufgeführt am Thalia Theater Hamburg. Rund 360 Ur- und deutschsprachige Erstaufführungen kommen jährlich auf die Bühne. Direkt beschäftigt das Theater in Deutschland etwa 40000 Menschen.
Design
Bauhaus und Ulmer Schule kennt fast jeder, der sich für Gestaltung interessiert. Aber neben den modernen Klassikern hat sich längst eine neue Generation einen Namen gemacht, die auch auf eine verspielt-innovative Formensprache setzt: wie Konstantin Grcic oder das Team von Studio Vertijet. Das deutsche Design wird aber vor allem von Unternehmensmarken geprägt: Audi, BMW, Daimler, Wilkhahn, Vitra, Lamy, Erco, oder Interlübke. In der Mode gehören Michael Michalsky, Gabriele Strehle und Wolfgang Joop zu den großen Namen. Die Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie fördert gezielt den Nachwuchs – etwa mit dem European Fashion Award.
Filmwirtschaft
Blitzlichtgewitter, Fans und ein roter Teppich voller Stars: Die 59. Berliner Filmfestspiele im Februar 2009 waren eine einzige Feierstunde des internationalen Kinos. Und ein Beweis für den stetig wachsenden Erfolg des deutschen Films. Fast 100 der 390 Berlinale-Beiträge sind mit deutscher Beteiligung entstanden. Der Marktanteil der Filme „made in Germany“ in den deutschen Lichtspielhäusern ist 2008 auf 26,6 Prozent gestiegen – das beste Ergebnis seit 1990. Die Qualität der heimischen Produktionen sorgte auch für steigende Besucherzahlen. 129,4 Millionen verkaufte Tickets verbuchten die Kinobetreiber 2008, vier Millionen mehr als im Vorjahr. Immer mehr internationale Anfragen verbuchen auch die deutschen Filmstudios. Anfang 2009 drehten Roman Polanski und Quentin Tarantino in den Babelsberg-Studios vor den Toren Berlins. Vor allem die Berliner bekommen den deutschen Filmboom hautnah mit. 2008 gab es 4100 drehbedingte Verkehrsbehinderungen in der Hauptstadt.
Musik
Wo die beiden deutschen Bands Tokio Hotel und Rammstein auf der Bühne stehen, sind Hallen und Stadien schnell ausverkauft. Die Jugendrocker und Schwermetaller gehören zu den heißesten deutschen Exportartikeln. Mit Konzerten solcher Spitzenstars setzt die deutsche Musikindustrie mittlerweile fast doppelt so viel Geld um wie mit dem Verkauf von CDs. Rund 2,9 Milliarden Euro wurden 2007 mit Livemusik umgesetzt. 1,65 Milliarden Euro betrug dagegen der Umsatz im CD-Verkauf. Kaum eine Kreativbranche in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren so sehr verändert wie die Musikindustrie. Digitalisierung heißt das Schlagwort, das die Entwicklung des Marktes vorgibt. Entsprechend rasant wuchs 2008 der Downloadmarkt: von 25,2 Millionen auf 35,2 Millionen digital kopierte Songs.
Presseverlage
Rund 3600 Fachmagazine, 2300 Publikumszeitschriften mit einer Auflage von mehr als 120 Millionen sowie rund 350 Tageszeitungen mit einer Auflage von 25 Millionen Exemplaren: Die imposanten Zahlen verdeutlichen die Vielfalt und die Wirtschaftskraft der deutschen Presselandschaft. Zu den auf dem deutschen Pressemarkt wirtschaftlich bedeutenden Medienhäusern gehören etwa Gruner & Jahr in Hamburg, die Verlagsgruppe Holtzbrinck in Stuttgart, die WAZ Mediengruppe in Essen und der Axel-Springer-Verlag in Berlin, Europas größtes Zeitungsunternehmen.
Im Bereich der Tagespresse ist Axel Springer mit einem Anteil von rund 40 Prozent nicht nur führend, was das Anzeigengeschäft für Zeitung angeht. Mit „Bild“ gibt der Verlag auch die meistgelesene deutsche Tageszeitung heraus. Mit einer Auflage von mehr als drei Millionen Exemplaren nimmt das Boulevardblatt als einzige überregionale Verkaufszeitung eine herausragende Rolle ein.
Rundfunkwirtschaft
Radio und Fernsehen sind zwei große Pfeiler der deutschen Medienlandschaft – und ein relevanter Faktor in der Kreativwirtschaft. Das duale System aus öffentlich-rechtlichen (ARD/ZDF) und privaten Sendern (RTL, Pro7 Sat.1) steht für Programmvielfalt. Im Radiobereich etwa konkurrieren rund 75 öffentlich-rechtliche Radiosender mit rund 385 kommerziellen Angeboten.
Seit Mitte der 90er-Jahre ist deren Zahl deutlich gewachsen. Heute erwirtschaften die fast 600 privaten TV- und Radioprogramme in Deutschland – zumeist mittelständische Unternehmen – einen jährlichen Umsatz von zirka 8 Milliarden Euro und beschäftigen 23000 Mitarbeiter. Insgesamt lag der Beitrag der deutschen Rundfunkwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt bei beachtlichen 5,4 Milliarden Euro (Stand 2006).
Werbung/Kommunikation
Ein bedeutender Wirtschaftszweig mit steigenden Investitionen: Die Werbebranche in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Ihre wichtigsten Eckdaten: Fast 600000 Beschäftigte arbeiten in der Werbewirtschaft, die vorwiegend von mittelständischen Firmen und vom Altersschnitt her von jungen Mitarbeitern geprägt ist. Eine niedrige Arbeitslosenquote, relativ stabile Arbeitsplätze und eine hohe Nachfrage nach Fachkräften kennzeichnen die Branche. 2007 lagen in Deutschland die Investitionskosten in Werbung bei 30 Milliarden Euro. Zu den werbeintensivsten Branchen zählt der Handel. Nach den USA, China, Japan und Großbritannien steht Deutschland auf Rang 5 der werbestärksten Länder.












