Mit dem Nobelpreis für Literatur 2009 wird die deutsche Schriftstellerin Herta Müller geehrt. Das gab das schwedische Nobelpreiskomitee am Donnerstag, 8. Oktober 2009, in Stockholm bekannt. In der Würdigung heißt es, Müller habe „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ gezeichnet. Dotiert ist die Auszeichnung mit rund 1,1 Millionen Euro. Die in Berlin lebende Autorin zeigte sich von der Nachricht vollkommen überrascht: „Ich kann es noch immer nicht glauben, mehr kann ich im Moment nicht dazu sagen.”
Michael Krüger, Verleger des Carl Hanser Verlags, in dem die Bücher von Herta Müller erschienen sind, gratulierte der Schriftstellerin umgehend: „Mit Herta Müller, in der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien aufgewachsen, wird eine Autorin ausgezeichnet, die auch 20 Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konflikts darauf beharrt, die unmenschlichen Seiten des Staatskommunismus in Erinnerung zu behalten. Ihre hochliterarische Trauerarbeit ist ein eindrückliches Beispiel einer engagierten europäischen Literatur, die mit analytischer Schärfe und poetischer Genauigkeit unsere Geschichte zur Gegenwart macht.“ Ein Thema, dem sich auch Müllers neuester, im Spätsommer 2009 veröffentlichter Roman „Atemschaukel“ widmet, der auch für den Deutschen Buchpreis 2009 nominiert ist. Am Beispiel eines 17-jährigen Jungen schildert sie die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer individuellen Geschichte.
Herta Müller, 1953 in Nitzkydorf/Rumänien geboren, lebt seit 1987 als Schriftstellerin in der deutschen Hauptstadt. Für ihre Werke wurde sie mit zahlreichen deutschen und internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Kleist-Preis, der Joseph-Breitbach-Preis, der Würth-Preis für Europäische Literatur und der Walter-Hasenclever-Literaturpreis. Seit 1995 ist die Autorin Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Nach dem Studium der deutschen und rumänischen Philologie arbeitet sie zunächst als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik. Herta Müller wurde jedoch entlassen, nachdem sie sich weigerte, für den rumänischen Geheimdienst Securitate zu arbeiten. Ihr erstes Buch „Niederungen“ wurde daraufhin 1982 in Rumänien nur zensiert veröffentlicht. 1984 erschien ihr Werk in der unzensierten Originalfassung in Deutschland. Herta Müller konnte danach in Rumänien nicht mehr veröffentlichen und war immer wieder Verhören, Hausdurchsuchungen und Bedrohungen durch die Securitate ausgesetzt. 1987 siedelte sie schließlich nach Deutschland um.
Herta Müller ist die 13. Vertreterin der deutschsprachigen Literatur, die mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird. Günter Grass erhielt den Preis vor genau zehn Jahren, 2004 wurde die Österreicherin Elfriede Jelinek mit dem Nobelpreis geehrt.












