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400 Milliarden Euro sind für das Desertec-Projekt veranschlagt

Sonniges Milliardenprojekt

Mit der Desertec-Initiative planen zwölf Unternehmen ein 400 Milliarden Euro schweres Projekt, um Solarstrom in der Wüste zu gewinnen

Von Rainer Stumpf

by Desertec Foundation

Die einen vergleichen es mit dem Bau des Panamakanals. Die anderen sehen darin die größte technische Herausforderung seit dem Apollo-Programm der Nasa. Und das hat immerhin den ersten Menschen auf den Mond gebracht. Kalt lässt die Meldung, die am 13. Juli von München aus in die Welt ging, jedenfalls kaum einen: Zwölf Unternehmen riefen an jenem Montag Desertec ins Leben, eines der wohl ambitioniertesten Technikprojekte der Geschichte. Riesige Solarkraftwerke sollen in den Wüsten Nordafrikas und Asiens die Wüstensonne einfangen, um so sauberen Strom auch für Europa zu produzieren – so lautet das Desertec-Ziel. Bis zum Jahr 2050 sollen auf diese Weise 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs umweltfreundlich gedeckt werden. 85 Prozent der mit Desertec erzeugten Energie sollen jedoch von den beteiligten Staaten Nordafrikas und Asiens genutzt werden. Geschätzte Kosten des Vorhabens: 400 Milliarden Euro.

Unterzeichnet haben die Absichtserklärung die Unternehmen Münchener Rück, Siemens, RWE, Eon, die HSH Nordbank, die Deutsche Bank, die Schweizer ABB, die Solarspezialisten und Anlagenbauer MAN Solar Millennium, Abengoa Solar aus Spanien, Schott Solar, Cevital aus Algerien und M+V Zander. „Wir verfolgen einen großen Plan“, erklärte Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Münchner Rück. Die größte Rückversicherungsgesellschaft der Welt ist einer der Hauptinitiatoren von Desertec. „Im Erfolgsfall würden wir einen ganz großen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten. Das ökologische wie auch das wirtschaftliche Potenzial ist enorm. Wir werden alles tun, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.“

Bereits im Oktober 2009 wird die Desertec Industrial Initiative Planungsgesellschaft (DII) gegründet werden, um die Planungen für das gigantische Vorhaben zu konkretisieren, hieß es in München. Nach spätestens drei Jahren sollen dann erste Ergebnisse vorliegen. Von diesen Empfehlungen hängt ab, wo und wie der Solarstrom aus der Wüste gewonnen werden soll. Die klimatischen Voraussetzungen in den in Frage kommenden Regionen sind jedenfalls hervorragend. Sechs Stunden Sonneneinstrahlung in den Wüsten liefern mehr Energie, als die Menschheit in einem Jahr verbraucht.

Problemlos ist auch die Technik für die Solarkraftwerke. Für Desertec geplant sind Parabolrinnenanlagen, die in den USA und in Spanien zum Teil schon seit Jahrzehnten Energie liefern. Im Gegensatz zu Solarzellen wandeln sie das einfallende Sonnenlicht nicht direkt in Strom um, sondern reflektieren es mit Spiegeln auf einen Receiver. In diesem „Absorberrohr“ fließt ein Spezialöl, das die gebündelte Sonnenenergie auf rund 400 Grad erhitzt. Das heiße Öl läuft in einen Wärmetauscher, Dampf entsteht, der eine Turbine antreibt und somit Strom erzeugt. Ein Prinzip, das im Wesentlichen der Stromerzeugung in herkömmlichen Kohle-Dampfkraftwerken gleicht. Mit diesen teilen sich die Parabolrinnenkraftwerke auch einen großen Vorteil gegenüber Fotovoltaikanlagen: Strom liefern sie auch nachts, wenn keine Sonne scheint. Integrierte Salzspeicher geben je nach Bedarf die für den Turbinenantrieb benötigte Wärme ab.

Probleme sehen die Initiatoren zurzeit vor allem bei drei Punkten: Die Gesamtfinanzierung von Desertec ist noch nicht geklärt, ebenso wie die Kraftwerksstandorte und der Verlauf der Stromnetze. Doch für die zwölf Unternehmen steht fest: Ein Zurück gibt es nicht. „Das Fortschreiten des Klimawandels kann zum größten Risiko der Menschheit werden“, sagt Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Münchener Rück.

23.07.2009
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